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Stadtführung durch Königs Wusterhausen

Stadtplan Führung Stadtplan mit Standortpunkten der Führung.
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Wir beginnen unseren Stadtrundgang am Bahnhof (1), der bei seinem Bau noch weit außerhalb des Ortes lag. Nach der Einweihung der Eisenbahnlinie Berlin-Görlitz im Jahr 1866 entstand er als schöner zweifarbiger Backsteinbau. Wir gehen nun vom Bahnhofsvorplatz in die hier einmündende Bahnhofstraße. Bis in das zweite Drittel des vorigen Jahrhunderts hinein war an dieser Stelle ein Feldweg, der zu Wiesen und Feldern führte, an die sich in südlicher und östlicher Richtung weite Heide- und Waldgebiete anschlossen. Heute ist hier die Hauptgeschäftsstraße der Stadt.

Beim Weitergehen fällt uns zur Rechten das Haus Nr. 18 (Deutsche Bank) (2) mit dem schönen Giebelfries auf. Es ist die sogenannte „Menken`sche Villa“. Die Familie von Menken, mütterlicherseits verwandt mit der Familie von Bismarck, besaß zeitweise das Gut Königs Wusterhausen und die „Neue Ziegelei“. Das Haus Nr. 8 (3) gegenüber dem Kaufhaus, im Stil der Jahrhundertwende erbaut, wurde originalgetreu restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Davor befindet sich der Stadtbrunnen (4), eine Stiftung der Handwerker der Stadt aus dem Jahre 1988. Dieser Brunnen symbolisiert das Jagdschloss.

Am Ende der Bahnhofstraße erreichen wir an der Brücke über den Nottekanal die Schleuse (5). Das ursprüngliche Nottefließ wurde 1856-64 kanalisiert. Die beiden mächtigen Platanen auf der Brücke stehen unter Naturschutz. Nach dem Überqueren der Brücke gehen wir ein Stück die Schlossstraße entlang und biegen hinter dem Mühlengebäude nach rechts, an der Rückseite des Jagdschlosses vorbei, am Mühlenfließ entlang in den Schlosspark ein (6). Nach einer Beschreibung des Schlosses und des Parks durch Johann Christian Beckmann vom Beginn des 18. Jahrhunderts war er damals mit Linden und Kastanien bepflanzt, enthielt zwei Teiche und „Springwasser“ und endete in einer Lindenallee, die durch den Wald zur „Neuen Mühle“ führte. Ein von Peter Joseph Lenne 1832 angefertigter Parkentwurf wurde nicht verwirklicht.

Wir erreichen nun die Gerichtsstraße, die auf den Schlossplatz führt. Dieser Platz liegt an der Stelle des ehemaligen Angers des mittelalterlichen Dorfes Wendisch Wusterhausen, um den sich die kleine Holzkirche und die sechs Bauern- und Kossätenhöfe mit der alten Wasserburg im Hintergrund gruppierten. Rechts sehen wir das um die Jahrhundertwende gebaute Amtsgericht (7) und das Pfarrgrundstück (8). Auf der linken Seite befindet sich der Schlosshof mit dem Jagdschloss und den beiden Kavaliersflügeln (9). Das Schloss ist ein zweigeschossiger, schlichter Putzbau - sechs zu vier Achsen mit zwei gleichlaufenden Satteldächern, die vier Giebel haben und in der Mitte durch ein Querdach verbunden sind. Von der Hofseite, aus der Mittelachse nach Osten verschoben, sehen wir den unten runden und nach oben achteckigen Treppenturm mit geschieferter Schweifhaube. Der runde Teil des Turms stammt noch von der ehemaligen Grenz- und Raubritterburg. Teilweise mit Steinen aus dem 16. Jahrhundert und unter Verwendung noch vorhandener Mauern wurde der Bau 1713-18 unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zum königlichen Jagdschloss umgestaltet und erlebte unter ihm seine Glanzzeit. Die beiden Kavaliersflügel sind gleichfalls ab 1713 für das Gefolge sowie die Gäste des Königs errichtet worden. Von 1863 bis 1913 nochmals als Jagdschloss genutzt, erhielt es 1925 eine neue Funktion als Jagdmuseum. Nach wechselvoller Nutzung in den letzten Jahrzehnten erstrahlt das Jagdschloss nach gründlicher Restaurierung durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im neuen Glanz.

Haben wir den Schlossplatz überquert und wenden uns nach rechts, gelangen wir an den Kirchplatz, der die erste Ortserweiterung des alten Dorfes darstellt. Zwischen den Baumreihen des Platzes führte früher der Weg nach Köpenick. Nachdem Königs Wusterhausen 1832 das Marktrecht erhalten hatte und aus dem Dorf ein Marktflecken geworden war, wurde zuerst auf dem Schlossplatz (alter Ortsplan: „Marktplatz“), dann aber an dieser Stelle, zweimal im Jahr der Vieh- und Krammarkt abgehalten. Die Ost- und Nordseite des Platzes weisen teilweise noch die alte Bebauung aus dem 18. und 19. Jahrhunderts auf.

Anschließend erreichen wir die evangelische Kreuzkirche (10). Anstelle einer kleinen baufälligen Holzkirche wurde 1697 unter Kurfürst Friedrich III. ein Neubau errichtet, ein rechteckiger, verputzter Saalbau aus Backsteinen mit einem daneben stehenden hölzernen Glockenturm. Nach der Erweiterung von 1757/58 erhielt die Kirche 1822 einen steinernen achteckigen Turm im neoromanischen Stil. 1889 wurden der Chor und das Querschiff angefügt. Wir betreten nun den Innenraum der Kirche (vorherige Anmeldung im Pfarrbüro erforderlich). Über der Orgel entdecken wir das Bildnis eines schwarzen preußischen Adlers. Darunter befand sich früher die fürstliche Loge. Das kostbarste Einrichtungsstück ist der aus der Oranienburger Schlosskapelle stammende, reich versilberte und vergoldete Altartisch aus Eichenholz vom Anfang des 18. Jahrhunders. Wir betrachten die Volutenfüße mit Adlern und Blattgewinden. Auf der als Knickband gebildeten Kreuzverstrebung sehen wir eine Taube über Trauben und Ähren und an den Zargen finden sich abwechselnd Zepter, Monogramm FR und Adler. Emporen und Kanzel stammen aus dem Jahr 1822. Die 1949 fertiggestellten farbigen Altarfenster zeigen Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Christi.

Wieder auf dem Kirchplatz, kommen wir zum „Hotel Sophienhof“ (11). Dieses nach alten Plänen rekonstruierte Haus diente im vorigen Jahrhundert den Gemeindevorstehern als Amtssitz, ist also das erste „Rathaus“ des Ortes. Das folgende Gebäude, „Hoenckes altes Wirtshaus“ (12), ging als „Ausspanne“ und Gasthof im 19. Jahrhundert aus einem Tagelöhnerhaus des Gutes hervor. In der rechts abbiegenden Köpenicker Straße befinden sich die Einrichtungen des Achenbach-Krankenhauses (13) sowie der denkmalgeschützte Komplex des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums mit dem baulich interessanten Turnhallen-Feuerwehrgebäude (14).

Ehe wir zum Kirchplatz, vorbei an der schönen gußeisernen Wasserpumpe - mit Sichtachse zum Jagdschloss hin - zurückwandern, betrachten wir das auf der Nordseite des Platzes stehende zweitürige Gebäude, in dem sich im 18. Jahrhundert die „Salzfactorei“ und die „Prinzliche Hofkammer“ sowie später die erste Apotheke von Königs Wusterhausen befanden (15).

Vom Kirchplatz wenden wir uns nach rechts zum ehemaligen „Königlichen Forstamt“ (16), in dem sich das Dahmelandmuseum des „Heimat- und Museumsvereins Königs Wusterhausen 1990 e.V.“ befindet. Nach einem Besuch gehen wir nach rechts, auf der leicht ansteigenden Berliner Straße weiter. Bis um die Jahrhundertwende waren in dieser Straße die meisten Geschäfte und Handwerksbetriebe des Ortes angesiedelt. Teilweise niedrige Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert, unter anderem die alte Nagelschmiede (17) auf der gegenüberliegenden Straßenseite, gaben dieser Straße ein kleinstädtisches Aussehen. Dort wo die B 179 nach links abbiegt, gehen wir geradeaus weiter und erreichen nach einem kurzen steilen Weg den Funkerberg, auf dem von 1914 bis 1918 die Heeresfunkstelle eingerichtet worden war. Als letzter von ehemals über 20 Sendetürmen steht vor uns ein 210 Meter hoher Sendemast (18). Von diesem Ort aus strahlten Techniker am 22. Dezember 1920 ein Weihnachtskonzert als erste Rundfunksendung in Deutschland aus. Zu Recht wird Königs Wusterhausen als die „Wiege des Rundfunks in Deutschland“ bezeichnet. In einem Gebäude der ehemaligen Funkstation, dem Sendehaus 1 (19), wurde im Januar 1996 ein Funkmuseum eröffnet. Hier wird über die Entwicklung der Funkstation Königs Wusterhausen informiert.

Steigen wir nun zum Schluss unseres Rundganges auf die Aussichtsplattform des 1910 als Wasserturm (20) gebauten heutigen Aussichtsturms mit kleiner Gaststätte, Ausstellungsraum und Galerie, um bei einem weiten Rundblick die schöne Umgebung zu betrachten. Das Berliner Stadtzentrum mit dem Fernsehturm sowie die Müggelberge im Norden, das Beeskow-Storkower Land mit dem herausragenden Kolberg im Osten, die Höhen bei Märkisch Buchholz und Teupitz im Süden und die Wiesen und Felder des Teltow und des Nottetales mit der Mittenwalder Kirche St. Mauritius im Westen bieten zu allen Jahreszeiten ein beeindruckendes Panorama. Zu unseren Füßen, in viel Grün gebettet, grüßen uns die Häuser und Straßen der eben von uns durchwanderten Stadt Königs Wusterhausen.


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